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Themenwoche GAMING: Interview mit Siegfried Lehrl

Avatar von thereal thereal - 23.08.07 14:18
Wer ist das?
Siegfried Lehrl studierte erst Bauingenieurwesen in Aachen, danach Psychologie in Köln und Erlangen. Nach Anstellungen als Akademischer Rat und Forschungsassistent an der Erlangener Universitäts-Nervenklinik folgte die Promotion über Einfluss vergangener und akuter Krankenhausaufenthalte auf fluide und kristallisierte Intelligenzleistungen an der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen.
Von 1980 bis 1984 war Siegfried Lehrl Leiter der Abteilung für Medizinische Informationspsychologie am Institut für Kybernetik Paderborn sowie stellvertretender Direktor des Instituts. Ab 1984 bis 1989 war er Akademischer Oberrat an der Psychiatrischen Klinik der Universität Erlangen-Nürnberg. Außerdem leitete er von 1988 bis 2000 den Bereich Forschung und Praxis in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychopathometrie. Seit 1989 ist er an der Universität Erlangen-Nürnberg Akademischer Direktor (an der Psychiatrischen Klinik).
Seit 1997 ist er Vorsitzender der 1989 von ihm mitgegründeten GfG Gesellschaft für Gehirntraining... . Sie soll die in Deutschland größte Gesellschaft zur Steigerung, Erhaltung und Wiedergewinnung der geistigen Fitness sein.THEMA: Beeinflussen Computerspiele unser Verhalten?1. Was halten Sie von Computerspielen?
Sie können sehr interessant und hilfreich sein.2. Haben Sie selbst schon Computerspiele gespielt?
Ja, zeitenweise täglich.3. Welche Computerspiele haben Sie schon gespielt?
GeJoLetra, Tetris, Pac-Man, Mohrhuhn, Bejeweled, Dr. Kawashimas Gehirnjogging auf Spielkonsole, MahJongg, und einige mehr.4. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Die meisten dieser Spiele sind faszinierend. Bei einigen frage ich mich allerdings, ob sie die Zeit wert sind, die man dabei verbringt.5. Kennen Sie persönlich Menschen, die Computerspiele spielen?
Viele um mich herum.6. (Wie) Ändern diese Menschen Ihrer Meinung nach ihre Verhaltensweisen durch Computerspiele?
Mir ist nichts Besonderes aufgefallen. Ich weiß allerdings nicht, wie sie sich sonst entwickelt hätten.7. Welche positiven bzw. negativen Eigenschaften schreiben Sie Computerspielen zu?
a) positive: Sie sind faszinierend, anregend; können einen ganz für sich einnehmen und können Missstimmungen und -empfindungen wie Schmerzen beseitigen. Sie können auch, unsere Leistungsfähigkeit und Kompetenz in Ausbildung, Beruf und Alltag steigern helfen.
b) negative: Sie können Zeitdiebe sein. Ohne Spielkultur angewandt, behindern sie die geistige Entwicklung und die Erfolgschancen in Schule und Beruf. Einige Menschen werden zudem spielsüchtig.8. Denken Sie, dass Kinder bzw. Jugendliche durch Computerspiele zu Gewalttaten beeinflusst werden? Wenn ja, begründen Sie dies bitte.
Die meisten wohl nicht. Es mag aber kommunikationsgestörte Kinder und Jugendliche geben, die ihre Gewaltbereitschaft durch ständiges Spielen, zudem mit brutalen Inhalten, stabilisieren und sogar steigern, so dass die Schwelle für Gewalttaten in der Realität sinkt.9. Beeinflussen Computerspiele die schulischen Leistungen?
Jedenfalls. Bisher gibt es mehr Nachweise, dass häufiges Spielen mit niedrigen Schulleistungen einhergeht. Das Umgekehrte, wonach beispielsweise chirurgische Leistungen durch Computerspiele verbessert werden, wurde ebenfalls wissenschaftlich belegt. Wenn man günstige Spiele auswählt und den geeigneten Umgang, also eine Spielkultur damit vermittelt, tragen sie sicherlich zu wesentlichen Steigerungen der Schulleistungen bei.10. Werden aus Computerspielern andere Menschen?
Jedenfalls. Lebensuntüchtigere Menschen, wenn sie wahllos und viel spielen, Lebenstüchtigere, außerdem mit einer höheren Lebensqualität als sonst, wenn sie wissen, womit, wie und wie lange man am besten spielt.
Herr Lehrl, vielen Dank für Ihre Bereitschaft zu diesem Interview!

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