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Happy Chanukka oder Weihnachten interkulturell

Avatar von gerlindy gerlindy - 24.12.08 16:49
Happy Chanukka oder Weihnachten interkulturell


In den letzten Wochen, konnte man den Eindruck haben, Deutschland sei zu einer Art von christlichem Gottesstaat mutiert. Ob man nun das Radio einschaltete, ins Fernsehen schaute allüberall schallte einem das christliche Weihnachtsfest entgegen. Ob nun in musikalischer Form oder auch als redaktionelle Beiträge.
Ich muß sagen, diese ausschließliche Betonung christlicher Wurzeln ist nicht nur nervtötend (gefühlte 3700 mal "Last Christmas" von Wham gehört) sondern hat auch etwas Rücksichtsloses an sich. Schließlich lebt in Deutschland nur eine Minderheit praktizierender Christen und die Belange der deutschen Atheisten, Juden, Muslime et c. werden gründlich ignoriert.


Deshalb habe ich hier einmal jene Feste zusammengefaßt die, genau wie das Weihnachtsfest, ihre Wurzeln in der Tatsache haben, daß zur gegenwärtigen Jahreszeit die Tage wieder länger werden.
Die Aufzählung ist keineswegs vollständig, soll aber, entgegen der aktuellen medialen Monomanie, zeigen, daß es auch anders geht. Zum Beispiel im indischen Assam wo zu Makara Sankranti mit Früchten verzierte Hütten gebaut werden, die traditionell mit gestohlenem Benzin niedergebrannt werden.





Im alten Ägypten wurde die Wiedergeburt von Osiris gefeiert. Die Priester traten aus einem Schrein hervor und riefen:"Die Jungfrau hat ausgetragen! Das Licht nimmt zu." Dabei zeigten sie den Gläubigen ein Bild eines Babys.


Da kommt einem doch einiges bekannt vor, oder?


Im alten Griechenland, also im ganz alten, wurde Lenaea begangen, Dazu zerriß eine Gruppe von sogenannten "wilden Frauen" einen Mann, der Dionysos repräsentieren sollte, in Stücke, die sie dann verspeisten. Im weiteren Verlauf des Rituals wurde der Mann als Baby wiedergeboren. In späteren Jahren wurde der Mann durch einen Ziegenbock ersetzt.


Wohl aus ökonomischen Gründen.


Im alten Rom wurden in diesen Tagen die Saturnalien gefeiert.


Aus Wikipedia:


"Die Feiern begannen mit einem Opfer vor dem Tempel des Saturn und einem öffentlichen Mahl. Öffentliche Einrichtungen waren während der Saturnalien geschlossen. Die Tempel veranstalteten öffentliche Speisungen. Es war üblich, sich zu den Saturnalien zu beschenken.


Wichtigster Aspekt der Saturnalien war die Aufhebung der Standesunterschiede, auch Sklaven wurden an diesem Tag von ihren Herren wie Gleichgestellte behandelt, teilweise wurden die Rollen sogar umgekehrt, so dass die Herren ihre Sklaven bedienten. Es wurde ein Saturnalienfürst (Saturnalicus princeps) gewählt, teilweise wurde dieser auch rex bibendi ("König des Trinkens" ) genannt. Dieser Name deutet auch auf den stark gesteigerten Weinkonsum während der Festtage hin. Nicht nur der Wein wurde während der Festtage in großem Maße getrunken, es war auch offiziell das Würfelspiel um Geld erlaubt. Auch sonst lockerte sich die Moral während der Feiertage erheblich."


Im späteren Rom, also etwas ab dem 3. Jahrhundert, wurden mehrere Festtage verschiedener Götter wie Apollo, Attis, Baal, Dionysos, Helios, Hercules, Horus, Mithra, Osiris, Perseus, und Theseus, gleichen oder ähnlichen Datums praktischer Weise zu einem einzigen Fest zusammengefaßt.


Der Name diese Festes lautete Dies Natalis Solis Invicti (Tag der Geburt der unbesiegten Sonne)
Die Kelten feierten bzw. feiern Alban Arthuan das zeitlich 3 Tage vor der Mittwintersonnenwende,


dem Yulfest oder dem Meán Geimhridh liegt und den Tod der alten Sonne sowie die Geburt der neuen Sonne zum Thema hat.
Das Yulfest oder auch Julfest wird auch in den skandinavisch/germanischen Bräuchen gefeiert.


Im jüdischen Glauben wird das Fest des Lichts Hanukkah oder Chanukka begangen.


Aus Wikpedia:


"Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (164 v. Chr.) nach dem erfolgreichen Makkabäeraufstand der Juden Judäas gegen hellenisierte Juden und makedonische Syrer, wie er im Ersten Buch der Makkabäer und auch im Talmud überliefert ist. Die Makkabäer beendeten die Herrschaft des Seleukidenreiches über Judäa, beseitigten den im jüdischen Tempel von Griechen errichteten Zeus-Altar, und führten den jüdischen Tempeldienst wieder ein.


Die Menora war ein Leuchter, welcher im Tempel niemals erlöschen sollte. Nach der Überlieferung war aufgrund der Eroberung der Syrer nur noch ein Krug geweihtes Öl vorzufinden. Dieses Öl reichte für gerade mal einen Tag. Für die Herstellung neuen geweihten Öls werden aber acht Tage benötigt. Durch ein Wunder hat das Licht jedoch acht Tage gebrannt, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war. Daran erinnern die acht Lichter des Chanukka-Leuchters. Jeden Tag wird ein Licht mehr angezündet, bis am Ende alle acht brennen."


In China begeht man das Fest des Dōngzhì, das seinen Ursprung in der Lehre von Yin und Yang hat. Es wird symbolisiert durch das I Ging Hexagramm 24, die Wiederkehr.


In Japan feiert man Amaterasu, den Sonnengott. Bei diesem Fest wird besonderes Augenmerk auf den Sonnenaufgang nach der Sonnenwende gerichtet.


Die indisch-hinduistische Entsprechung lautet Makara Sankranti. In vielen Gegenden werden aus diesem Anlaß bunte Drachen steigen gelassen um die hellere, wärmere Jahreszeit willkommen zu heißen.


Halte ich persönlich für einen sehr sympathischen Brauch.


Auch viele atheistische Organisationen feiern zur Wintersonnenwende ein Fest, denn warum sollen immer nur die "religiös Verblendeten" etwas zu feiern haben?


Und zum nächsten Weihnachtsfest wünsche ich mir etwas weniger fromme Christenmilch und mehr interkulturellen Kakao.



Kommentare: (2)

  • von gerlindy - 24.12.08 17:17
    Ich habe vergessen anzumerken, daß es keine islamische Entsprechung zum Fest der Sonnenwende gibt, weil ihr Kalender auf dem Mondlauf basiert.


    Jedenfalls habe ich keine Entsprechung gefunden.


    Falls es doch eine gibt bitte ich um einen Hinweis.

  • von onkelloco - 24.12.08 21:58
    Schön. Da ist doch sicher für (fast) jeden was dabei.



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