Jeder zweite Pflegende im Dauerstress

Avatar von Schinzel Schinzel - 03.06.09 11:21
Über zwei Millionen Menschen in Deutschland sind


pflegebedürftig. Fast die Hälfte von ihnen wird ausschließlich von


den eigenen Angehörigen zu Hause versorgt. Wie sehr dies die


Laienpfleger belastet, zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage in Auftrag


der Techniker Krankenkasse (TK). Dort gab fast jeder zweite pflegende


Angehörige an, dass ihn die Aufgabe an den Rand eines Burnouts


bringt. Sie bestimmt oft ihr ganzes Leben und ist unter den


Pflegenden Stressfaktor Nummer eins.


Um ihnen so lange wie möglich das Zuhause zu erhalten, betreuen


Eltern ihre schwerkranken Kinder, pflegen Kinder ihre Eltern und
Eheleute ihre Partner - manchmal rund um die Uhr, ohne Feiertag oder


Urlaub. "Die Pflege ist eine anstrengende Arbeit, bei der viele
Angehörige an ihre Grenzen geraten, sich selbst überfordern und ihre


Gesundheit vernachlässigen", sagt TK-Pflegeexpertin Marina Mücke. Den
Tribut zahlen sie auch körperlich: So leiden sechs von zehn


Pflegenden laut der TK-Studie unter Rückenschmerzen, jeder Fünfte
unter Herz-Kreislauf-Beschwerden. Ein Viertel der Pflegenden schläft


schlecht und vielen drückt die Last auch auf den Magen. Fast jeder
Fünfte gab dies an.


"Wer einen Angehörigen pflegt, sollte von vornherein darauf


achten, sich nicht zu übernehmen - ohne Pausen ist die Mammut-Aufgabe


kaum zu bewältigen", sagt Mücke. Sie rät, sich feste Freiräume zu


schaffen, um neue Kraft zu schöpfen. Häufig reiche schon ein


regelmäßiger freier Nachmittag oder Abend. "Das ist nicht nur für den


Pflegenden wichtig - indirekt helfen die Auszeiten auch dem betreuten


Angehörigen. Wer sich gestresst und überlastet fühlt, ist


unausgeglichen, unzufrieden und reagiert schnell aggressiv", sagt die


Pflegexpertin. Das bestätigt auch die TK-Studie: Jeder dritte


Pflegende gab darin an, sich ständig nervös und gereizt zu fühlen.


"Für eine gewisse Zeit kann man das vielleicht noch unterdrücken.


Aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man einfach nicht mehr


kann", so Mücke. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sei es


wichtig, sich rechtzeitig Hilfe zu holen.


Können Verwandte, Freunde oder Nachbarn nicht einspringen,
verhilft ein ambulanter Pflegedienst zu einer Verschnaufpause. "Was


viele nicht wissen: Auch eine Pflegender kann sich eine Auszeit
nehmen - zum Beispiel für einen Urlaub", so Mücke. Diese so genannte


Ersatzpflege ist für bis zu 28 Tagen im Jahr möglich, die
Pflegeversicherung übernimmt dafür bis zu 1.470 Euro.


Zum Hintergrund:


Der bevölkerungsrepräsentative "Kundenkompass Stress" ist in


Zusammenarbeit der TK mit dem F.A.Z.-Institut und Forsa entstanden.
Die kompletten Studienergebnisse gibt es im Internet unter


www.presse.tk-online.de. Dort kann auch der dazugehörige
Stress-Medienservice heruntergeladen werden.
mehr bei yigg.de

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