KMR -
18.01.10 08:59
Wie wenig überzeugt selbst überregionale deutsche Tageszeitungen noch von ihren eigenen Produkten sind, zeigt ein aktuelles Beispiel: Über den Schweizer Dienstleister Trigami kauft sich die Süddeutsche Zeitung derzeit Lob für ihre iPhone-App in Blogs und im iPhone-AppStore. Sicherheitshalber hat die Zeitung bei der entsprechenden Ausschreibung gleich mitgeliefert, was man an ihr besonders gutfinden sollte – könnte ja schließlich sein, dass man das selbst gar nicht bemerkt.
- An "Süddeutsche Zeitung" kauft sich lobende Blogbeiträge bei Trigami Twitter senden
- Mit "Süddeutsche Zeitung" kauft sich lobende Blogbeiträge bei Trigami Facebook empfehlen

Was ist denn daran schlimm? Nur weil man sich Werbung kauft und mehr ist das ja nicht, heißt das doch nicht, das man nicht von seinem Produkt überzeugt ist.
Bei Trigami kann man ja auch in gewissem Maße negative Reviews schreiben. Also ich finde das nicht schlimm, zumal habe ich aber den Artikel nicht gelesen, weil ein 404 Error kommt.
mydecember : Die SZ ist extrem strikt, was die Trennung von Werbung und redaktionellem Inhalt in Print anbelangt. Hier macht sie glatt das Gegenteil.
@danielanieliel : Warum sprechen die dann nicht gute App-Blogger an, sondern dieses Netzwerk? Mit vorgegebenem Content?
@saunabiber genau, und dafür wird geld gezahlt. ich schätze trigami auch nicht, da viele blogger es als werbung oder "trigami" kennzeichnen und somit den werbenden effekt verliert.
Da es bei Trigami um Linkaufbau geht nahm ich an es müssen keine Lobeshymnen sein, Hauptsache Erwähnung. Trigami scheint da strikter geworden zu sein.
Wahrscheinlich hat die Zeitung einfach eine SEO-Firma beauftragt und die hat ihren Praktikanten dran gesetzt. So läuft das heutzutage ab. Habe ich selber so miterlebt.
Lesenswert hierzu die Aussagen des Marketing-Leiters der SZ ~ Kampa ging daneben und Trigami war schuld
Es geht doch auch um Effektivität oder?
Wie spreche ich in Kürze Hunderte von Bloggern an ohne viel Aufwand? dazu eignet sich Trigami doch ganz gut.
Ich würde auch 5 Euro Aufwandsentschädigung pro Beitrag für einen Artikel zu meinem Blog geben, bei Trigami kann ich das aber nicht, weil eine Aktion mindestens 2500 Euro als Investion kostet.
Igor
Peter Bilz-Wohlgemuth (Sueddeutsche.de) reagiert spontan:
Hallo Herr Tißler,
Mein Name ist Peter Bilz-Wohlgemuth, ich bin hier bei sueddeutsche.de für das Marketing und damit auch für die Trigami-Kampagne verantwortlich. Bitte erlauben Sie mir, noch mal kurz Stellung zu Ihrem Beitrag zu nehmen:
1. Wir wollten eine virale Kampagne lancieren
Dazu haben wir bei Trigami eine Blog-Kampagne in Auftrag gegeben. Wir haben jedoch immer betont, dass wir mitnichten „lobende Blogposts“ haben wollen, sondern uns gerade für Trigami entschieden, weil – wie Sie ja selbst schreiben – hier der Blogger die Freiheit hat, zu entscheiden, was er schreibt und was nicht. Ich zitiere aus Ihren eigenen Worten: „Über Trigami habe ich auch hier im Blog bezahlte Postings veröffentlicht – wenn sie thematisch passend waren und ich die Freiheit bekam,
selbst über den Inhalt zu entscheiden.“ Dass wir dabei eben nicht eine unreflektierte „Lobhudelei“ wollten, können Sie auch daran sehen, dass wir als Voraussetzung für die Rezension einen Download und damit verbundene Beschäftigung der App gefordert haben.
2. Das war ein Fehler
Dennoch zeigt Ihr Feedback und das der Blogosphäre, dass diese Form des Marketings nicht den Erwartungen an uns entspricht. Wir werden daher in Zukunft von diesen Formen des Marketings Abstand nehmen.
3. Wir ziehen die Konsequenzen
Wir haben uns daher auch entschieden, mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit Trigami zu beenden und haben die Kampagne bereits gestoppt.
Mit freundlichen Grüßen,
Peter Bilz-Wohlgemuth
Bei Trigami geht es doch bloß um Linkaufbau. Damit es natürlicher wirkt, wird es als Blogeintrag verpackt. Oder habe ich das falsch verstanden?
Jap, hast du. Die Links werden mit "nofollow"-Attribut ausgestattet (von Trigami so vorgeschrieben). Dadurch haben die Links Google-technisch keinen Nutzen.