KMR -
19.01.10 20:33
Die Werbe-Abteilung von sueddeutsche.de wollte mit viralem Marketing für die neuen Smartphone-Anwendungen ("Apps") werben. Sie hat dafür die Schweizer Firma Trigami beauftragt, die ihre Arbeit als "Social Media Marketing" bezeichnet.
Die Redaktion der Süddeutschen Zeitung war über die Trigami-Kampagne ebenso wenig informiert wie die Redaktion von sueddeutsche.de. Beide verurteilen den Versuch, über bezahlte Blog-Einträge Werbung zu treiben.
- An Bauernopfer: Süddeutsche Redaktion wäscht sich rein Twitter senden
- Mit Bauernopfer: Süddeutsche Redaktion wäscht sich rein Facebook empfehlen

Diesen Artikel empfinde ich als extrem unangenehm. Für Leser zwischen den Zeilen dürfte klar sein, dass hier versucht wird, Krisen-PR mit einem Bauernopfer zu betreiben. Das Marketing (das Böse) - auch persönlich in Form des Peter Bilz-Wohlgemuth dargestellt, ist Schuld. Die Redaktion (das Gute) wusste von der Aktion nichts (sonst wird sie natürlich über jede Marketingaktion informiert, nein sie wird gefragt).
Interessanterweise ist die Reaktion auf Twitter bisher sehr positiv. Liege ich bei meiner Sichtweise komplett daneben?
Hm, nach dem Artikel ist die Sueddeutsche ein Ort an dem ich nicht arbeiten möchte. Ich finde es auch peinlich.
Evtl. dann doch Schweigen angebrachter gewesen als so ein internes Bashing.
Ich halte es für gur möglich, dass die Redaktion davon nichts wusste. Marketing und Redaktion sind normalerweise personell getrennt.
Ich halte es für gur möglich, dass die Redaktion davon nichts wusste. Marketing und Redaktion sind normalerweise personell getrennt.
Das ist nicht mein Punkt. Unabhängig von internen Strukturen trägt man soetwas IMHO nicht nach aussen.
Hier eine kleine Geschichte dazu, die mir zufällig einfiel
@saunabiber - Wenn die Sueddeutsche Fehler eingesteht - gut. Dagegen sind wir nicht.
Wir sind dagegen intern den schwarzen Peter an das Marketing weiterzuschieben und seine eigenen Hände in Unschuld zu waschen und rumzuflennen. Das hat keinen Stil.
Wie jetzt? Einerseits wollt Ihr Zweinuller immer die größtmögliche Transparenz und Ehrlichkeit. Dann aber sollte man sowas lieber nicht nach außen tragen. Ist das nicht inkonsequent?
Als Unternehmen transparenz und ehrlich heisst nicht, alles, was passiert, nach aussen zu kommunizieren. Es gibt überall - im zwischenmenschlichen Bereich nennt man das Privatsphäre - Interna, die nicht zwingend kommuniziert werden müssen bzw. sollten.
Ich meine, im Management geht es immer nur darum, dass ja niemand das Gesicht verliert. Auch wenn man den größten Scheiß gebaut hat. Jetzt haben wir dank Internet einen Paradigmenwechsel und die Chance, dass damit aufgeräumt wird. Wieso also nicht?
Grundsätzlich sehe ich das auch so: Internet schafft Transparenz und damit die Möglichkeit, mit Gemauschel, Kumpelwirtschaft usw. etwas "aufzuräumen". Aber bitte lies den Text nocheinmal: für geübte Leser unternehmenspolitischer Texte wird m.E. klar, dass hier nicht Transparenz das Ziel ist, sondern Schuldzuweisung, mit dem Subziel, einen anderen Unternehmensbereich reinzuwaschen.
Der Text ist sogar so plump formuliert, dass einige Leser beim Lesen bereits aufgelacht haben....
In vielen Verlagen werden diese Grabenkämpfe tatsächlich zzt. heftig intern geführt. Den Verlagen geht es verdammt dreckig, und in unserer Kultur glaubt man leider immer noch, wenn man den Schuldigen hat, dann sei das Problem gelöst.
Die Art und Weise, wie die Süddeutsche Führung das nun aggressiv nach außen trägt, hat eine neue Qualität. Und man merkt deutlich, dass es nur noch um das "Ich-war's-nicht-die-anderen-waren's" geht. Welchen zusätzlichen Schaden das Verlagshaus dadurch erleidet, scheint kaum noch jemanden zu interessieren. Hat etwas von dem Gebaren auf einem sinkenden Schiff, ist aber unternehmerisch eine Vollkatastrophe.